RechtsCentrum.de
Angezeigte Ergebnisse pro Seite:   5 | 10 | 20 | 50
Suchergebnisse 1 bis 20 von 72

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Hamburg - LG Hamburg
20.8.2019
2 Ws 85/19 - 1 OBL 59/19

Im Rahmen des § 119a StPO ist für ein Entfallen des Beschwerderechtszugs und eine Umdeutung der Beschwerde in einen erneuten Antrag auf gerichtliche Entscheidung – anders als bei Haftentscheidungen – kein Raum.

StPO § 119a

Aktenzeichen: 2Ws85/19 Paragraphen: Datum: 2019-08-20
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=5021

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

BGH - OLG Stuttgart
3.5.2019
AK 15/19,
StB 9/19

Zur Berücksichtigung von für die Verfahrensdauer (mit-)ursächlichem Verteidigungsverhalten bei der Prüfung der Verhältnismäßigkeit der Fortdauer der Untersuchungshaft.

StPO § 120 Abs 1 S 1
GG Art 2 Abs 2 S 2

Aktenzeichen: AK15/19 StB9/19 Paragraphen: Datum: 2019-05-03
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4969

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

KG Berlin
30.4.2019
4 HEs 10-11/19
161 HEs 22/19

Haftgrund der Verdunkelungsgefahr; Anwendung des Beschleunigungsgrundsatzes im Ver-fahren gegen Heranwachsende

1. Der Haftgrund der Verdunkelungsgefahr besteht, wenn aufgrund bestimmter Tatsachen das Verhalten des Beschuldigten den dringenden Verdacht begründet, er werde eine der in § 112 Abs. 2 Nr. 3 StPO abschließend umschriebenen, auf Beweisvereitelung abzielenden Handlungen vornehmen, und wenn deshalb die Gefahr droht, dass die Ermittlung der Wahrheit in dem Verfahren wegen derjenigen Tat erschwert wird, derer der Beschuldigte dringend verdächtig ist. Der Haftgrund muss somit hinsichtlich solcher Taten bestehen, die den Gegenstand des Haftbefehls bilden.

2. Voraussetzung hierfür ist, dass für den Fall der Nichtinhaftierung des Beschuldigten mit großer (hoher) Wahrscheinlichkeit Verdunkelungshandlungen zu erwarten sind. Die bloße Möglichkeit der Vornahme solcher Handlungen reicht nicht aus, hinzukommen muss die tatsachengestützte Prognose, der Beschuldigte werde die Gelegenheit auch wahrnehmen.

3. Die Tatsachen, aus denen auf den dringenden Verdacht der Verdunkelung geschlossen wird, können nur der Person, dem Verhalten, den Beziehungen und Lebensumständen des Beschuldigten, nicht eines Dritten, entnommen werden. Auch früheres Verhalten eines Be-schuldigten kann bei der Prognose berücksichtigt werden; in diesem oder einem anderen Verfahren schon unternommene Verdunkelungshandlungen bilden im Regelfall ein erhebliches Beweisanzeichen für eine bestehende Verdunkelungsgefahr. Der dringende Verdacht der Verdunkelung kann auch aus Indizien, die sich auf bestimmte Tatsachen gründen, abgeleitet werden. Allgemeine Erfahrungen kriminalistischer oder anderer Art ersetzen zwar nicht die Feststellung bestimmter Tatsachen, sind aber zu Schlussfolgerungen von den festgestellten Tatsachen auf den dringenden Kollusionsverdacht mit heranzuziehen. Verdunkelungsgefahr kann auch durch frühere Verurteilungen wegen Taten, die auf Irreführung und Verschleierung angelegt waren, wie beispielsweise Betrug, Bestechung oder Urkun-denfälschung indiziert oder durch die Deliktsnatur und die Umstände der verfolgten Tat nahegelegt werden, etwa Mitgliedschaft in kriminellen oder terroristischen Vereinigungen, Taten der organisierten Kriminalität oder auf Irreführung und Verschleierung angelegte Taten.

4. Ein Beweisanzeichen für eine bestehende Verdunkelungsgefahr kann auch darin liegen, dass der Beschuldigte versucht hat, Beweise zugunsten eines Mitbeschuldigten betreffend weiterer, nur diesem zur Last gelegter Taten zu manipulieren.

5. Es ist für die Annahme der Verdunkelungsgefahr nicht erforderlich, dass die verdunkelungsmaßnahmen bereits vorbereitet, versucht oder begangen wurden.

6. Um dem Beschleunigungsgrundsatz Rechnung zu tragen, müssen die Strafverfolgungs-behörden ggf. einen Teil der zu ermittelnden (haftbefehlsgegenständlichen) Taten vorweg anklagen und (oder) die Gerichte den Urteilsstoff begrenzen. Abgesehen von bestimmten Großverfahren ist es in vielen Fällen zwar erwünscht, das gesamte Tatgeschehen geschlossen aufzuklären und abzuurteilen; es ist aber meist nicht unerlässlich. Dann ist, um die Untersuchungshaft auf die unbedingt notwendige Zeit zu beschränken, auf den Vorteil zu verzichten, denselben Beschuldigten wegen mehrerer Taten gleichzeitig zu belangen. Vielmehr sind Anklage und Verhandlung auf die zuerst verhandlungsreife Tat gegen den inhaftierten Beschuldigten zu beschränken; die endgültige Strafe muss der Gesamtstrafen-bildung in einer späteren Verhandlung vorbehalten bleiben.

7. Dies gilt aber nicht ausnahmslos. Besondere Verfahrensgestaltungen können es gebieten, trotz grundsätzlicher Trennbarkeit der gegen einen Beschuldigten gerichteten Vorwürfe und trotz einer hinsichtlich des haftbegründenden Vorwurfs früher eingetretenen Anklagereife den Abschluss der Ermittlungen hinsichtlich weiterer Taten vor der Erhebung der Anklage abzuwarten. Dies gilt insbesondere im Verfahren gegen Heranwachsende, bei denen im Fall eines Schuldspruchs auch darüber zu entscheiden ist, ob Jugendstrafrecht oder allgemeines Strafrecht anzuwenden ist, und im Falle der Anwendung von Jugendstrafrecht geprüft werden muss, ob schädliche Neigungen (§ 17 JGG) vorliegen. Hierfür sind die Per-sönlichkeit und die individuelle Reifeentwicklung des Beschuldigten bestmöglich aufzuklären. In Verfahren gegen Heranwachsende ist es daher in der Regel geboten, mehrere einem Beschuldigten zur Last gelegte Taten gemeinsam zu verhandeln.

StPO § 112 Abs 2 Nr 3, § 121 Abs 1
JGG § 17

Aktenzeichen: 4HEs10/19 4 HEs11/19 Paragraphen: Datum: 2019-04-30
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4961

PDF-DokumentProzeßrecht Haftrecht - Verfahrensverzögerung Haftbefehl Untersuchungshaft

KG Berlin - LG berlin
15.3.2019
4 Ws 24/19 - 121 AR 47/19

Haftbefehlsaufhebung wegen ungenügender Verfahrensbeschleunigung; vorangehende Einlieferungshaft; zum Vorlageverfahren nach § 306 Abs. 2 StPO

1. Das in Haftsachen geltende Gebot der besonderen Verfahrensbeschleunigung verlangt, dass die Strafverfolgungsbehörden und Gerichte von Anfang an alle möglichen und zumutbaren Maßnahmen ergreifen, um die notwendigen Ermittlungen mit der gebotenen Schnelligkeit abzuschließen und eine gerichtliche Entscheidung über die einem Beschuldigten vorgeworfenen Taten herbeizuführen. Zur Durchführung eines geordneten Strafverfahrens und Sicherstellung der Strafvollstreckung kann die Untersuchungshaft dann nicht mehr als notwendig anerkannt werden, wenn ihre Fortdauer durch vermeidbare Verzögerungen verursacht ist. Von dem Beschuldigten nicht zu vertretende, sachlich nicht gerechtfertigte und vermeidbare Verfahrensverzögerungen stehen daher regelmäßig einer weiteren Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft entgegen.

2. Der allein in den Verantwortungsbereich der staatlich verfassten Gemeinschaft fallende Umstand, dass Tatgerichte nicht nur kurzfristig und unvorhersehbar überlastet sind und demzufolge ihrer unmittelbar in der Verfassung wurzelnden Pflicht zu besonders beschleunigter Bearbeitung von Haftsachen durch eine zeitnahe Verhandlung sowie eine ausreichend hohe Verhandlungsdichte nicht mehr gerecht werden können, zwingt zur Beendigung der Untersuchungshaft.

3. Im Ausland erlittene Einlieferungshaft stellt zwar keine Untersuchungshaft im Sinne der §§ 112 ff. StPO dar, sodass ihre Dauer nicht unmittelbar am Maßstab der Grundrechte zu beurteilen ist. Bei der Prüfung der Verhältnismäßigkeit in der Bundesrepublik anzuordnender (und insbesondere aufrechtzuerhaltender) Untersuchungshaft ist im Ausland bereits vollzogene Einlieferungshaft aber mit zu berücksichtigen.

4. Die aus § 306 Abs. 2 Halbsatz 2 StPO folgende Pflicht zu unverzüglicher Anordnung der Aktenvorlage an das Beschwerdegericht verlangt keine Schnelligkeit um jeden Preis; vielmehr ist unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles ein angemessener Ausgleich zwischen der möglichen Beschleunigung und der gebotenen sorgfältigen inhaltlichen Befassung mit dem Beschwerdevorbringen zu finden.

StPO § 112, §§ 112ff, § 120, § 306 Abs 2 Halbs 2
GG Art 2 Abs 2 S 2

Aktenzeichen: 4Ws24/19 Paragraphen: Datum: 2019-03-15
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4941

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Karlsruhe - LG Freiburg
8.1.2019
2 Ws 365/18

Zur Ermessensausübung bei der Gestattung von Telefongesprächen mit Familienangehörigen während der Untersuchungshaft

Aktenzeichen: 2Ws365/18 Paragraphen: Datum: 2019-01-08
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4897

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Karlsruhe
27.3.2017
HEs 2 Ws 63/17

Fortdauer der Untersuchungshaft bei verspätetem Gutachtensauftrag der Staatsanwaltschaft

1. Die Staatsanwaltschaft hat im Ermittlungsverfahren - insbesondere in Haftsachen - unmittelbar nach Bekanntwerden des Begutachtungserfordernisses einen Gutachtensauftrag zu erteilen (hier: mögliche Unterbringung nach § 64 StGB).

2. Eine Vorlage nach § 209 Abs. 2 StPO stellt bei sachlich vertretbarer Entscheidung keinen Verstoß gegen das in Haftsachen geltende Beschleunigungsgebot dar.

3. Hat ein verspäteter Gutachtensauftrag aufgrund des sonstigen Verfahrensverlaufs ausnahmsweise keine Haftverlängerung zur Folge, steht allein dieser Verstoß gegen das Beschleunigungsgebot der Fortdauer der Untersuchungshaft über sechs Monate hinaus nicht entgegen.

Aktenzeichen: HEs2Ws63/17 Paragraphen: Datum: 2017-03-27
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4709

PDF-DokumentHaftrecht Internationales Recht - Untersuchungshaft Strafverfolgung Haftrecht Zuständigkeiten

OLG Karlsruhe
20.3.2017
Ausl 301 AR 21/17

Auch wenn die Festnahme des Verfolgten im Inland zum Zwecke der Vollziehung eines Untersuchungshaftbefehls erfolgt, ist der Verfolgte gleichwohl an dem Ort zuerst ermittelt, an dem die Festnahme erfolgte, wenn er bereits zuvor in Deutschland für den ersuchenden Staat zur Fahndung ausgeschrieben war (hier: INPOL).

Aktenzeichen: Ausl301AR21/17 Paragraphen: Datum: 2017-03-20
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4708

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Frankfurt am Main - LG Frankfurt
25.2.2016
5 Ws 1/16

U-Haftentlassung wegen nicht absehbarer Terminierung nach Eröffnung des Hauptverfahrens

Aktenzeichen: 5Ws1/16 Paragraphen: Datum: 2016-02-25
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4564

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft Sonstiges Haftbefehl

OLG Karlsruhe - AG Freiburg
29.10.2015
2 Ws 491/15

Sachverständigengutachten in Haftsachen

Unterlässt die Staatsanwaltschaft im Ermittlungsverfahren in einer Untersuchungshaftsache die gebotene Einholung eines Sachverständigengutachtens zu den Voraussetzungen einer Maßregel nach § 64 StGB, verstößt dies gegen das Beschleunigungsgebot. Falls die Verzögerung im weiteren Verfahren durch das Gericht nicht ausgeglichen wird, führt das Versäumnis grundsätzlich zur Aufhebung des Haftbefehls nach § 121 Abs. 2 StPO.

Aktenzeichen: 2Ws491/15 Paragraphen: Datum: 2015-10-29
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4509

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Nürnberg - LG Weiden
12.5.2015
1 Ws 141/15
1 Ws 142/15
1 Ws 143/15
Zu den Anforderungen an die Terminierungsdichte in Umfangsverfahren bei Vollzug von Untersuchungshaft.

StPO § 112, § 304

Aktenzeichen: 1Ws141/15 Paragraphen: StPO§112 StPO§304 Datum: 2015-05-12
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4466

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Saarbrücken - LG Saarbrücken
22.4.2015
1 Ws 7/15 (H)

1. Die Aufnahme eines Tatvorwurfes, der für sich genommen den Erlass eines Haftbefehls nicht rechtfertigen könnte, in einen neu gefassten bzw. erweiterten Haftbefehl setzt keine neue Sechs-Monats-Frist im Sinne des § 121 Abs. 1 StPO in Gang.

2. Eine nahezu 3-monatige Untätigkeit der Ermittlungsbehörden und das Unterlassen einer bereits im Ermittlungsverfahren gebotenen Einholung eines Sachverständigengutachtens zu den Voraussetzungen einer Maßregel nach § 64 StGB führen zur Aufhebung des Haftbefehls gem. § 121 Abs. 2 StPO.

StPO § 121 Abs 1, § 121 Abs 2
StGB § 64

Aktenzeichen: 1Ws7/15 Paragraphen: StPO§121 StGB§64 Datum: 2015-04-22
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4457

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

Kammergericht
19.2.2015
2 StE 7/14 - 4 (7/14)

Untersuchungshaft: Zuständigkeit für Anträge auf gerichtliche Entscheidung

Für die Entscheidung über Anträge nach § 119 Abs. 5 Satz 1 StPO ist bei Anhängigkeit der Sache bei einem Strafsenat des Oberlandesgerichts nicht der Vorsitzende, sondern der Spruchkörper in der Besetzung außerhalb der Hauptverhandlung funktional zuständig.

StPO § 119 Abs 5 S 1, § 126 Abs 2

Aktenzeichen: 2StE7/14 Paragraphen: StPO§119 StPO§126 Datum: 2015-02-19
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4408

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Bremen - LG Bremen
1.3.2013
Ws 5/13

Untersuchungshaft: Wiederholungsgefahr bei Heranwachsenden bei Ahndung der Vortat mit jugendgerichtlichen Zuchtmitteln

Der Anordnung von Untersuchungshaft wegen Wiederholungsgefahr steht nicht entgegen, dass die Vortat nur mit jugendgerichtlichen Zuchtmitteln geahndet wurde. Eine "die Rechtsordnung schwerwiegend beeinträchtigende Straftat" i.S.d. § 112a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StPO kann auch in einem solchen Fall vorliegen. Ein automatischer Ausschluss von Straftaten, die nur mit jugendgerichtlichen Zuchtmitteln geahndet worden sind, ist im Rahmen des § 112a StPO schon deswegen nicht angezeigt, weil es sich bei § 112a StPO einerseits und § 17 JGG andererseits um Normen mit grundsätzlich unterschiedlicher Zielsetzung handelt.

Eine automatische Herausnahme derjenigen Straftaten, die nur zu einer Ahndung mit jugendrichterlichen Zuchtmitteln geführt haben, würde im Übrigen dazu führen, dass der Schutz der Bevölkerung vor heranwachsenden Serienstraftätern nicht im gleichen Maße möglich wäre wie der Schutz vor erwachsenen Serienstraftätern (entgegen OLG Oldenburg (Oldenburg), 27. März 2012, 1 Ws 159/12, StV 2012, 352).

StPO § 112a Abs 1 S 1 Nr 2
JGG § 17

Aktenzeichen: Ws5/13 Paragraphen: StPO§112a JGG§17 Datum: 2013-03-01
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4294

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft Sonstiges

BVerfG
7.3.2012
2 BvR 988/10

Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren durch Verweigerung von Telefonaten einer Untersuchungsgefangenen mit ihrem Verteidiger - Zum Verhältnis von § 119 Abs 4 S 1 StPO nF zu § 148 StPO

GG Art 2 Abs 1, Art 20 Abs 3
BVerfGG § 93c Abs 1 S 1
StPO vom 07.04.1987 § 119 Abs 1, § 119 Abs 3

Aktenzeichen: 2BvR988/10 Paragraphen: Datum: 2012-03-07
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=4132

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Nürnberg - LG Nürnberg-Fürth
12.9.2011
1 Ws 390/11

1. Es ist unverzichtbare Voraussetzung rechtsstaatlicher Verfahren, dass Entscheidungen, die den Entzug der persönlichen Freiheit betreffen, auf zureichender Sachaufklärung beruhen und eine in tatsächlicher Hinsicht genügende Grundlage haben, die der Bedeutung der Freiheitsgarantie entspricht.

2. Daraus folgt, dass Ermittlungsorgane trotz Inhaftierung des Angeschuldigten angekündigte Einlassungen und, solange dies sich im strafprozessual vorgesehenen Rahmen hält, auch mit dem Abschluss des Verfahrens abzuwarten haben.

3. Die Verzögerung des Verfahrens wegen Wahrnehmung prozessualer Rechte, die in den alleinigen Verantwortungsbereich des Angeschuldigten fällt, begründet nur dann die Aufrechterhaltung der U-Haft nicht, wenn Staatsanwaltschaft und Gericht ihrerseits hierauf nicht sachgerecht reagiert haben. Nur in diesem Fall verlagert sich die Verzögerungsursache wieder in den Verantwortungsbereich der Justiz zurück.

StPO § 112, § 121, § 122

Aktenzeichen: 1Ws390/11 Paragraphen: StPO§112 StPO§121 StPO§122 Datum: 2011-09-12
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=3948

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Celle - LG Hildesheim
9.5.2011
1 Ws 186/11 (UVollz)
1 Ws 187/11 (UVollz)

1. Aufgrund der Verweisung des § 167 Abs. 4 NJVollzG auf § 115 StVollzG bedürfen Beschlüsse, mit denen Anträge auf gerichtliche Entscheidung in Untersuchungshaftvollzugssachen beschieden werden, eines im Vergleich zu den Anforderungen aus § 34 StPO weitergehenden Begründungaufwandes.

2. Der Anspruch auf fehlerfreie Ermessensausübung bei der Entscheidung über einen Antrag eines Untersuchungshaftgefangenen auf Ermöglichen des Bezugs von Bio oder Reformkostprodukten erfordert, dass die besondere Stellung des Untersuchungsgefangenen Berücksichtigung finden muss.

NJVollzG § 167, § 142 Abs 3
StVollzG § 115

Aktenzeichen: 1Ws186/11 Paragraphen: NJVollzG§167 NJVollzG§142 Datum: 2011-05-09
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=3825

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Stuttgart - LG Stuttgart
21.4.2011
2 HEs 37/11
2 HEs 38/11
2 HEs 39/11

Die Fortdauer der Untersuchungshaft ist nicht gerechtfertigt, wenn hinreichend deutlich absehbar ist, dass das Verfahren nicht mit der in Haftsachen gebotenen Beschleunigung weiterbetrieben werden kann, auch wenn bisher keine Verfahrensverzögerungen eingetreten sind (Anschluss an BVerfG, Beschluss vom 19.09.2007, 2 BvR 1850/07).

Aktenzeichen: 2HEs37/11 Paragraphen: Datum: 2011-04-21
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=3877

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Naumburg
17.8.2010
2 ARs 7/10

Der Strafsenat des Oberlandesgerichts entscheidet mit Inkrafttreten des Untersuchungshaftvollzugsgesetzes Sachsen-Anhalt am 1. Juni 2010 nicht mehr über Anordnungen, Verfügungen oder sonstige Maßnahmen der Vollzugsbehörden im Vollzug der Untersuchungshaft nach § 23 Abs. 1 EGGVG, da § 65 Abs. 1 UVollzG LSA die Beschwerde beim Anstaltsleiter und § 100 UVollzG i. V. m. §§ 119 Abs. 5 Satz 1, 119a StPO dagegen den Antrag auf gerichtliche Entscheidung vorsehen (23 Abs. 3 EGGVG).

Aktenzeichen: 2ARs7/10 Paragraphen: Datum: 2010-08-17
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=3776

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

BGH
23.4.2010
AK 2/10

Zur Strafbarkeit nach § 34 Abs. 4 Nr. 2 AWG aF wegen Zuwiderhandelns gegen das Umgehungsverbot des Art. 7 Abs. 4 i. V. m. Abs. 3 Verordnung (EG) 423/2007 vom 19. April 2007 (Iran-Embargo-Verordnung).

AWG § 34 Abs. 4 Nr. 2 idF vom 26. Juni 2006
EG-VO 423/2007 Art. 7 Abs. 4 i. V. m. Abs. 3

Aktenzeichen: AK2/10 Paragraphen: AWG§34 Datum: 2010-04-23
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=3645

PDF-DokumentHaftrecht - Untersuchungshaft

OLG Oldenburg - AG Wildeshausen
11.03.2010
1 Ws 116/10

Wer wiederholt mit bedingtem Tötungsvorsatz ´aus Jux´ Leitpfosten von einer Autobahnbrücke auf die Fahrbahn wirft, handelt nicht vernunftgesteuert. Da eine weitere Tatwiederholung deshalb nicht sicher ausgeschlossen werden kann, kommt eine Verschonung von der mit dem Haftgrund der schweren Tat begründeten Untersuchungshaft gegen Auflagen nicht in Betracht.

StPO § 112 Abs 3
StPO § 116

Aktenzeichen: 1Ws116/10 Paragraphen: StPO§112 StPO§116 Datum: 2010-03-11
Link: pdf.php?db=strafrecht&nr=3599

Ergebnisseite:   1  2  3  4  nächste  
Startseite | Gesetze und Verordnungen | Informationen zu PDF | Anwalts- und Sachverständigenverzeichnis | RechtsCentrum.de AKTUELL | RechtsCentrum.de REGIONAL | Kontakt | Impressum
© 2002 - 2019 RechtsCentrum.de Dipl.-Ing. Horst Fabisch GmbH